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#9 Was ist mein Betrieb wert?

Vorbemerkung zur Unternehmensbewertung

In diesem Artikel soll es um die verschiedenen Möglichkeiten einer Unternehmenswert-Einschätzung bzw. -bewertung gehen. “Was ist mein Unternehmen wert?” – werden sich sicher schon viele Gastronomen einmal gefragt haben. Macht sich der Wert an der Einrichtung fest, am Kundenstamm oder doch eher an den Gewinnen des Unternehmens? Bei Ihren Überlegungen werden Sie die unterschiedlichsten Gründe gehabt haben:

+ Unternehmensnachfolge
+ Verkauf des Betriebes
+ Gesellschafterwechsel
+ Umwandlung in eine andere Rechtsform
+ Erbschaft oder Scheidung
+ Aufnahme von Krediten z.B. zur Unternehmenserweiterung

© Wrangler – Fotolia.com

Wie man sich vorstellen kann ist eine Unternehmensbewertung nicht ganz einfach. Es finden dabei sehr unterschiedliche Methoden bei der Berechnung Anwendung. In diesem Artikel möchte ich die wichtigsten und gängisten Methoden vorstellen. Je nach Betrieb muss die richtige Bewertungsmethode gefunden werden. Nicht jede Berechnung macht bei jeder Betriebsart und bei jeder Betriebsgröße Sinn. Es soll hier insbesondere um die Berechnung des Wertes des eigenen Betriebes gehen. Muss/will man einen Fremdbetrieb bewerten, sollte man immer auch schauen, ob das zur Verfügung gestellte Zahlenmaterial verlässlich ist.

Je nach Methode oder Ansatz können sehr unterschiedliche Werte für das Unternehmen entstehen. Man muss lernen, diese richtig einzuordnen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Summe der Vermögenswerte

Summe der Vermögenswerte
Summe der Vermögenswerte

Die Ertragswertmethode

Die Ertragswertmethode (sie wird auch Formel der “ewigen Rente” genannt) ist die am meisten angewandte und verbreitete Grundlage zur Berechnung des Unternehmenswertes. Mit Hilfe des Ertragswertverfahrens wird der Wert eines laufenden (gastronomischen) Renditeobjektes auf Basis einer budgetierten Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt. Bei der Berechnung der Planzahlen werden selbstverständlich die Zahlen aus der Vergangenheit einbezogen. Auch die Richtwertsammlung des Finanzamtes kann dabei sehr nützlich sein. Die Ertragswertmethode findet insbesondere dann Anwendung, wenn kein eigenen Grundstücke vorhanden sind – es sich also bei Ihrer Gastronomie um ein Miet- bzw. Pachtobjekt handelt.

Durch die Betrachtung der Zukunftswerte, kann sich so der potentielle Käufer auch die Frage stellen, ob er besser sein Geld in das Unternehmen steckt oder doch zu einer Alternativinvestition (wie z.B. dem Aktienmarkt) greift. Der Kaufpreis sollte demnach nicht höher sein, als die in den nächsten Jahren zu erwartenden Gewinne. Der Vergleich mit einer Alternativinvestition bildet die Basis für die Ertragswertmethode. Als Zeitraum, der zu betrachten ist, kusieren viele Angaben. Am meisten wird jedoch von 3-5 Jahren gesprochen.

Der zukünftige Gewinn kann unter zwei Gesichtspunkten berechnet werden. Entweder man berechnet den Gewinn und Berücksichtigung der aktuellen Situation (also bei gleichem Management, allgemeiner Marktentwicklung, etc.) oder aber man geht von einer veränderten Fortführung des Unternehmens aus (z.B. neues Management, Änderungen im Geschäftszweck, Restrukturierungen, größere Marketingaktionen, Neupositionierung, Relaunch, etc.). Beide Werte werden sicher voneinander abweichen. Ggf. kann man daraus ein Mittel bilden.

Ausgehend von einer mehr oder weniger unbegrenzten Lebensdauer des Unternehmens (wenn also der Pachtvertrag für Ihr Restaurant nur noch 4 Jahre läuft, ist diese Methode nicht geeignet), wird der Ertragswert wie folgt berechnet:

Ertragswert = zukünftiger Gewinn * 100 / Kapitalisierungszins

Der für die Zukunft budgetierte Gewinn wird auf Basis der Werte aus der Vergangenheit ermittelt. Dabei müssen ggf. einige Korrekturen vorgenommen werden wie beispielsweise periodenfremde oder außerordentliche Erlöse und Kosten oder auch der Unternehmerlohn. Desweiteren sollte der Gewinn des letztes Jahres höher gewichtet werden, als der weiter zurückliegender Jahre.

Der Kapitalisierungszins ist der entscheidende Wert, da er bereits bei kleinen Änderungen große Auswirkungen auf den Ertragswert hat. Er setzt sich aus mehreren Einzelwerten zusammen:
1. Basiszinssatz (ein einmal jährlich durch die Bundesbank festgesetzter Zinssatz – 2013 beträgt er 2,04 %)
2. Immobilitätszuschlag (dieser soll die gegenüber der Kapitalmarktanlage schlechtere Verwertbarkeit der Unternehmung auffangen – z.B. 2%)
3. Inflationsschutz (soll die Minderung der Kaufkraft des Geldes berücksichtigen – rund 2%)
4. Risikozuschlag (hier liegt der größte Verhandlungsspielraum. Als Richtlinie kann man von 3-5% ausgehen)
In der Summe kommt man also auf rund 10-12% Kapitalisierungszins. Je höher dieser Wert ist, desto geringer wird der Unternehmenswert ausfallen.

Hier ein konkretes Beispiel:
Restaurant mit einem bereinigten und gewichteten durchschnittlichen Jahresgewinn von € 10.000,00.
Der Kapitalisierungszins wird auf 11% ermittelt bzw. ausgehandelt.
Daraus ergibt sich ein Unternehmenswert von rund € 91.000,00 oder anders ausgedrückt, müsste ein Investor diesen Betrag anlegen, um eine jährliche Rendite von € 10.000,00 zu erhalten. Ändert man den Kapitalisierungszins auf 13% ist das Unternehmen nur noch rund € 77.000,00 wert. Eine nur 2%-ige Erhöhung wirkt sich also mit € 14.000 aus!

Multiplikatorenmethode

Die Multiplikatorenmethode ist sehr einfach in der Handhabung. Zu empfehlen ist jedoch, diese Methode nicht alleine anzuwenden. Vielmehr eignet sie sich zur Überprüfung einer Ertragswertberechnung und zur Plausibilitätsprüfung. Je besser man den gewünschten Verkaufspreis einem Käufer gegenüber belegen kann, desto sicherer fühlen sich alle Verhandlungspartner.

Aus verschiedenen Varianten der Multiplikatorenmethode (Ergebnis bzw. Umsatz), möchte ich Ihnen lediglich die vorstellen, die auf das operative Betriebsergebnis (vor Steuern) abstellt.

Schritt 1: Man errechnet den durchschnittlichen Gewinn aus sechs Geschäftsjahren – das festgestellte Ergebnis der letzten beiden Jahre, das hochgerechnete Ergebnis des laufenden Jahres plus das budgetierte Ergebnis der drei folgenden Jahre.

Schritt 2: Man ermittelt den Branchenfaktor und multipliziert diesen mit dem Wert aus Schritt 1. Diesen Faktor finden man auf der Seite des Finance-Magazins. Er wird monatlich aktualisiert. Für die Nahrungs- und Genussmittelbranche, den Monat 06/2013 und Unternehmen unter 50 Mio. Euro Umsatz beträgt er 5,7 – 7,6.

Schritt 3: Um die Bandbreite einzuengen, müssen nun 13 ‘bewertungsrelevante’ Fragen (extern) beantwortet werden (ebenfalls auf der Internetseite des Finance-Magazins). Werden überweigend positive Antworten gegeben, wird der Faktor im oberen Bereich gewählt, usw.

Schritt 4: Wir gehen von folgendem Beispiel aus: Für ein Restaurant wurde in Schritt 1 ein durchschnittlicher Gewinn von 25.000 Euro errechnet. Fast alle Fragen aus Schritt 3 wurden mit ‘eher ja’ beantwortet. Dies führt zu einem Faktor von z.B. 7. Somit ergibt sich ein Unternehmenswert von 175.000 Euro.

Die Schweizer Firma Nimbo veröffentlicht jeden Monat aktuelle Multiplikatorwerte (auch für Deutschland). Dies hilft Ihnen bei der Auswahl der richtigen Multiplikatoren und Verfahren.

Eher ungeeignete Methoden

Buchwert
Der in der Bilanz ersichtliche Buchwert ist meist nicht wirklich aussagekräftig. Ihm kann man zwar den Wert des Anlagevermögens entnehmen, jedoch ist dieser bei lange bestehenden Betrieben oft sehr niedrig, da die Investitionen lange abgeschrieben sind. Der eigentliche Wert des Unternehmens liegt dann meist deutlich höher.

Substanzwert (bei Immobilien)
Wird mit dem Gastronomiebetrieb zusammen auch eine Immobilie angeboten, kann der Substanzwert von Bedeutung sein. Oft weicht dieser jedoch von dem tatsächlichen Verkehrswert der Immobilie ab. Man will doch auch eher wissen, welche Umsätze (bzw. Gewinne) man mit dem Gebäude machen kann, als was das Haus in der Erstellung gekostet hat. Stellen Sie sich außerdem vor, dass das Restaurant vielleicht weniger aufwendig gebaut wurde, aber in einer tollen Lage sagenhafte Umsätze macht. Das ist doch das, worauf es ankommt.

Liquidationswert
Das ist der Wert, der bei Zerschlagung des Unternehmens bei einer geordneten Abwicklung des Betriebes erzielt werden könnte. Also die Summe aller Vermögensgegenstände. Der hier errechnete Wert wird üblicherweise der niedrigste (im Vergleich zu allen anderen Methoden) sein. Man könnte den Wert auch als “worst case scenario” bezeichnen.

Due Dilligence – Risikoprüfung

Die Due Dilligence Prüfung ist ein heutzutage sehr verbreitetes Verfahren, um Unternehmen intern besser einschätzen zu können. Es geht dabei weniger um die harten Fakten wie Umsatzgrößen oder Gewinn, sondern vielmehr um die vielen “soften” Faktoren innerhalb eines Unternehmens wie z.B. die Protokolle von Gesellschafterversammlungen, die Verträge von leitenden Mitarbeitern oder den Marketingplan. Um sich auf eine solche Prüfung vorzubereiten finden Sie hier einen Link zu einer -> Liste der konkreten Maßnahmen (externer Link) im Rahmen einer solchen Prüfung. Schauen Sie sich die Liste einmal in Ruhe an und (als Verkäufer) versuchen Sie, die Fragen zu beantworten bzw. erste Unterlagen zusammenzustellen.

Zusammenfassung

Naturgemäß haben Verkäufer und Käufer unterschiedliche Ziele und Vorstellungen. Für den Käufer zählt ein bestmöglicher Kaufpreis bei minimalen Risiken. Ein Käufer möchte in ein gutes Unternehmen investieren, welches ihm viele Jahre lang beste Renditen beschert. Der Gastronom, der seinen Betrieb verkaufen will hingegen ist an der Erzielung eines bestmöglichen Verkaufspreises für sein Unternehmen interessiert.

Er hat meist sehr viel Zeit (und Liebe) in sein Unternehmen gesteckt und möchte vielleicht auch noch ein gutes Gefühl haben, an wen er “sein Baby” abgibt. Wahrscheinlich ist es unmöglich den richtigen Preis für ein Unternehmen zu finden. Der ganze Vorgang hat mit Timing, Verhandlungsgeschick, sowie Angebot und Nachfrage zu tun. Ziehen Sie ggf. Berater (Steuerberater, Anwalt, Gutachter, IHK, Branchenverbände) hinzu, die Ihnen bei der Bewertung helfen.

Hier ein interessanter Kommentar eines Fachmanns zu meinem Artikel:

Es gibt weitaus mehr, nämlich ungefähr 120 verschiedene Methoden zur Bewertung eines Unternehmens. Ob die von Ihnen beschrieben die wichtigsten sind, lasse ich mal dahin gestellt sein, und die gängigsten (wie die Multiplikatorenmethode) sind garantiert nicht die besten. Denn sie klammern individuelle Faktoren – positive wie negative – weit gehend aus.

Es hängt auch sehr stark von der Führung des jetzigen Betriebes und der Qualität des zukünftigen Managements ab, was ein Betrieb wert ist. Die ertragswertorientierte Pachtwertfindung (EOP-Methode) wurde leider durch höchstrichterliches Urteil für Deuitschland offiziell nicht anerkannt.

Viele Unternehmensnachfolgen scheitern, weil über die Wertvorstellungen eines Betriebes extrem unterschiedliche Ansichten zwischen Verkäufer und Käufer bestehen. Dabei lässt sich für den Wert eines Unternehmens etwas tun, aber rechtzeitig, mindestens fünf, besser zehn Jahre vor einer geplanten Betriebsübergabe bzw. einem Betriebsverkauf.

Eines haben Unternehmen, egal welcher Art, und andere Güter gemeinsam: Der Käufer muss den Kaufpreis “stemmen” können, und meistens muss finanziert werden. Mit Ausnahme der berühmten Liebhaberobjekte, die es häufig in der Hotellerie oder der gehobenen Gastronomie gibt, muss sich die Investition für den Käufer rechnen, völlig egal, was der Verkäufer in den Betrieb mal gesteckt hat. Und es gibt nur einen “richtigen” Unternehmenswert: Der, auf den Verkäufer und Käufer sich einigen.

Der Verkauf eines Unternehmens geht selten in ein paar Wochen oder Monaten über die Runde, jedenfalls nicht optimal. Ich arbeite derzeit seit rd. eineinhalb Jahren an einem Unternehmensverkauf. In einem anderen Fall habe ich zwei Jahre daran gearbeitet. Und beides ist noch lange nicht rekordverdächtig, zumal es sich in beiden Fällen um sehr gesunde Unternehmen handelt.

Erhard Stammberger
Unternehmens- und Projektberatung
www. hotel-resort-consulting.de

Links zum Thema

Rechner – Wie viel ist Ihr Unternehmen Wert – bei impulse.de
Sehr auswendiger und umfangreicher Rechner für praktisch alle Methoden – bei unternehmenswertrechner.de
Das Ertragswertverfahren in der Unternehmensbewertung – bei ertragswert-verfahren.de
Sehr ausführliche Beschreibung zum Prozess einer Unternehmensbewertung – bei schubach.de

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